Kontext
Projekt in redaktioneller Form. Weitere Details können im Markdown-Text ergänzt werden.
Beobachtungsanforderung
Paläolithische Gravuren mit sehr geringem Relief dokumentieren und analysieren, auf Trägern und in Akquisitionskontexten, die stark variieren (Museen, Höhle, 3D-Umgebung), mit Bedarf an wissenschaftlicher Standardisierung.
Mercurio-Lösung
Entwicklung einer reproduzierbaren RTI-Kette (Akquisition, Verarbeitung, Annotation) einschließlich spezifischer Hardware und eines offenen Dokumentationsrahmens.
Technologien
- RTI
- RTI-Orthophotogrammetrie
- Ad-hoc-RTI-Scanner
- motorisierter Wagen
- CIDOC-CRM-Semantische Annotation
Geliefertes Ergebnis
Strukturierte RTI-Datensätze, operatives Protokoll und Annotationsmodell für Konservierung, Studium und Verbreitung der Korpora geliefert.
Das Projekt THEIA ist Teil des Aufrufs „Digitalisierung von Kulturerbe und Architektur“ und behandelt die Herausforderungen der Erhaltung, Erforschung und Verbreitung paläolithischen Erbes. Sein Ziel war die Entwicklung einer RTI-Produktionskette, die auf die Analyse parietaler Gravuren mit sehr geringem Relief zugeschnitten ist, die oft schwer zu lesen, zu dokumentieren und unter Forschenden zu teilen sind.
Unter der Leitung des Centre des monuments nationaux (CMN) und mehrerer institutioneller Partner konzentrierte sich das Projekt auf die Produktion reproduzierbarer RTI-Datensätze sowie auf die wissenschaftliche Strukturierung der zugehörigen Annotationen.
RTI-Akquisitionen an gravierten Fragmenten
Ein erster Teil der Arbeit betraf die RTI-Akquisition gravierten Fragmente in den Reserven des Museums von Lussac-les-Châteaux. Ziel war es, homogene Akquisitionen auf komplexen Steinflächen mit teils extrem schwachem Mikrorelief zu produzieren.
Dafür entwickelte Mercurio Imaging einen Ad-hoc-RTI-Scanner, der speziell für die Akquisition von Gravuren auf Stein konzipiert wurde. Das Gerät automatisierte die Aufnahmen und gewährleistete ausreichende Reproduzierbarkeit für wissenschaftliche und vergleichende Nutzung.
Die Akquisitionen wurden anschließend verarbeitet, um interaktive RTI-Bilder zu erzeugen, die eine dynamische Erkundung der Oberflächenvariationen durch virtuelle Beleuchtung ermöglichen.
Akquisition großer Flächen in der Höhle Chabot
Das Projekt umfasste auch die In-situ-Akquisition des Mammuth-Panels in der Höhle Chabot in einer deutlich eingeschränkteren Umgebung.
Die Hauptherausforderung bestand darin, RTI-Protokolle an eine große Wandfläche in einem komplexen unterirdischen Kontext anzupassen, mit starken Einschränkungen hinsichtlich Zugänglichkeit, Konservierung und Stabilität der Akquisitionen.
Diese Experimente bestätigten die Möglichkeit, großflächige RTI-Mosaike zu produzieren, die für die Erforschung parietaler Gravuren nutzbar sind.
Virtuelles RTI und Nutzung von 3D-Szenen
Das Projekt THEIA erkundete auch einen ergänzenden Ansatz: virtuelles RTI. Aus bestehenden 3D-Modellen hochauflösender Digitalisierungskampagnen entwickelten wir ein Protokoll zur Erzeugung virtueller RTI-Akquisitionen direkt in einer digitalen Szene.
Dieser Ansatz eröffnet wichtige Perspektiven für die Erforschung schwer zugänglicher, fragiler oder für die Öffentlichkeit geschlossener Stätten. Er ermöglicht zudem die Wiederverwendung bestehender 3D-Korpora mit einer auf Oberfläche und Mikrorelief ausgerichteten Analyselogik.
Wissenschaftliche Strukturierung der Annotationen
Über die RTI-Datenproduktion hinaus behandelte das Projekt die Strukturierung wissenschaftlicher Annotationen, die den Aufnahmen zugeordnet sind.
Die Arbeit im Rahmen des zweiten Arbeitspakets zielte darauf ab, Folgendes zu definieren:
- ein kontrolliertes Aufnahmevokabular;
- eine gemeinsame minimale graphische Konvention;
- ein offenes vektorielles Annotationsformat;
- eine Struktur, die mit dem CIDOC-CRM-Modell kompatibel ist.
Ziel war es, Aufnahmegeometrie, semantische Beschreibung und Metadaten-Erhaltung in einer FAIR- und interoperablen Logik zu verknüpfen.
Eine reproduzierbare RTI-Kette für das Kulturerbe
Die Pakete für Akquisition und Dokumentationsstrukturierung wurden geliefert und bilden heute das operative Fundament des Projekts THEIA.
Die durchgeführte Arbeit bestätigte mehrere Schlüsselpunkte:
- Reproduzierbarkeit von RTI-Akquisitionen auf unterschiedlichen Trägern;
- Nutzung von RTI auf großen parietalen Flächen;
- Einsatz von virtuellem RTI in 3D-Szenen;
- Strukturierung offener und dauerhafter wissenschaftlicher Annotationen.
Jenseits des paläolithischen Kontexts eröffnen die in THEIA entwickelten Methoden Perspektiven für weitere Anwendungen in der Expertengutachten-Bildgebung, Konservierung und Analyse komplexer Oberflächen.